die welt ist ihr nicht genug
(financial times deutschland, freitag, 4. juli 2003)
101 köpfe, auf die sie achten sollten

eigentlich ist das interieur von hotels die spezialität von yasmine mahmoudieh. doch seit die deutsch-iranische designerin das innenleben des neuen airbus a380 mit entworfen hat, interessieren sich auch die großen der flugzeugbranche für sie. denn bei mahmoudieh folgt die form der funktion und bleibt dabei doch warm und elegant.

zwischen croissant und milchkaffee schildert yasmine mahmoudieh im hamburger literaturcafé, wie sie kürzlich von den größen der internationalen luftfahrtindustrie umworben wurde. als innenarchitektin des neuen a380 hatte sie einen vortrag gehalten, der die manager von airbus, boeing und virgin airlines derartig enthusiasmierte, dass diese spontan vom podium zu ihr herabgestiegen seien, um ihr interesse an einer zusammenarbeit zu bekunden. mit der ihr eigenen ansteckenden begeisterung hatte sie ihre version vom schönen fliegen zum besten gegeben, habe von konferenzséparées für geschäftsleute und spielecken für kinder gesprochen, und von laufbändern für die gesundheitsbewussten langstreckenflieger.

an bescheidenheit mangelt es der designerin nicht. darf es auch nicht: mit vornehmer zurückhaltung kommt man in ihrer branche, die wie wenig andere von der gekonnten eigenwerbung lebt, nicht weiter. ähnlich wie in der architekturszene gehört das klappern hier zum handwerk. auch deshalb, weil die inflationär genutzte, ungeschützte berufsbezeichnung des designers an seriosität eingebüßt hat.

ein problem, das yasmine mahmoudieh nicht betrifft. ralph wiegmann, geschäftsführer von if (industrie forum design) lobt: „sie besticht durch ihre unglaubliche professionalität“. er schätzt an der spezialistin für hoteldesign besonders ihre „barrierefreie art, das innenleben von hotels zu konzipieren“. mahmoudieh sei auch deshalb eine ausnahmeerscheinung, weil sie sich als einer der wenigen erfolgreichen weiblichen designer hier zu lande auch international einen namen gemacht habe.

die in hamburg geborene deutsch-iranerin war bereits ein global player, bevor das wort in mode kam. studium der kunstgeschichte in florenz, architektur und innenarchitekturstudium in genf, san francisco und los angeles, wo sie zehn jahre lang ihr eigenes büro führte. dozentin an der hotelfachschule in lausanne - die welt ist nicht genug für mahmoudieh.

leise und präzise spricht die 41–jährige, und so schnell, als sei sie nur auf der durchreise und hätte sorge, den nächsten flieger zu verpassen. wenn sie nicht zu einem ihrer auftraggeber unterwegs ist, pendelt sie zwischen ihren büros in london, berlin und barcelona, seit einem jahr oft auch gemeinsam mit töchterchen fariba und au–pair–mädchen.

mahmoudiehs arbeiten für hotels wie beispielsweise für das hamburger vierjahreszeiten, das kempinski in moskau und das soeben mit dem internationalen core–designpreis ausgezeichnete behindertenhotel rheinsberg sind die logische konsequenz ihrer umtriebigkeit. als vielreisende fühlte sich die tochter eines kaufmanns, die gern mal in abwesenheit der eltern das heimische wohnzimmer umräumte, schon früh „persönlich beleidigt von der stereotypen gesichtslosigkeit der meisten hotels“.

yasmine mahmoudiehs räume tragen chamäleonhafte züge, weil sie mit ihrer umgebung verschmelzen.
das schönste beispiel hierfür ist das sas–hotel in kopenhagen, eine in stilistischer treffsicherheit gelungene hommage an den designer arne jacobsen. „alle glaubten, das hätte eine skandinavierin entworfen“, sagt mahmoudieh und freut sich über diese reaktion, die sie als kompliment für ihre philosophie versteht, wonach ein gutes hotel auch optisch die kultur des jeweiligen landes reflektieren sollte. „anders als viele so genannte stardesigner, habe ich keinen immer gleichen stil. aber ich habe stets die gleichen prinzipien“ fasst sie ihr credo zusammen. ausschließlich schönes und wertvolles zu schaffen sei ihr zu wenig. der leitspruch moderner architektur „form follows function“ müsse auch für design gelten. dass die von ihr geplanten räume dennoch nicht den eiseshauch der klassischen moderne atmen, liegt an den mahmoudieh–typischen warmen farben und hölzern und einem ausgeklügelten lichtkonzept, bei dem ein wechselspiel von direkter und indirekter beleuchtung für eine anheimelnde atmosphäre sorgt.

für privatkunden hat sie nur am anfang ihrer laufbahn in kalifornien gearbeitet, und das mit zunehmender ablehnung. als tief- und endpunkt schildert sie mit amüsiertem entsetzen die arbeit an einer hollywood–produzenten–villa, während derer sie zwischen die fronten eines ehestreits der besitzer über stilistische fragen geriet.

heute sei sie in der privilegierten situation, mehr projekte ablehnen zu können als anzunehmen. das funktioniere nur, weil sie kein „megabüro“ sei. yasmine mahmoudieh beschäftigt bewusst nie mehr als 17 mitarbeiter. abgelehnt werden projekte manchmal auch aus finanziellen gründen. „es kommt immer wieder vor, dass ein kunde eine vorstellung von einem rolls–royce hat, aber nur für einen bmw zahlen will“, sagt sie. auch ihre kreative freiheit lässt sich mahmoudieh nicht einschränken: „ich lasse mir nicht vorschreiben, was ich tun soll.“
irgendwann nicht mehr ihren beruf auszuüben kann sich die designerin nicht vorstellen. ihr vorbild ist anna castello, die sehr aktive grande dame des italienischen designs. sie ist 89.