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oic_news, online, 02_2003 nachgefragt
02 _ 2003 _ seite 6 ein fliegendes büro?
die designerin yasmine mahmoudieh
entwirft ein neues innenraumkonzept
für airbus. wenn ihr ambitioniertes
projekt gelingt, erwarten uns im flieger
bald büro und fitness-center. da
ihr auftrag streng vertraulich ist, kommen
nur themen aus ihrem vortrag
auf der aircraft interiors zur sprache.
frau mahmoudieh, sie entwerfen konzepte
für hotels, bürokomplexe etc.
wie kamen sie zu dem neuen projekt?
mein auftraggeber fand es interessant, dass
ich viel erfahrung im hotelbereich habe. in
höheren kategorien gleichen die anforderungen
von flugzeugpassagieren denen
von hotelgästen. wichtig war auch mein
hintergrund: ich arbeite sehr konzeptionell,
es geht mir nicht nur um design; der funktionale
gedanke steht ebenso im vordergrund
wie der ästhetische. hier muss kompromisslos
beides berücksichtigt werden.
zudem symbolisiert ein flugzeug ja eine
unheimliche dynamik: es geht um materialität,
leichtigkeit, die beste ausnutzung
von räumlichkeiten. es gibt kein anderes
projekt, bei dem man jeden quadratzentimeter
so gut überdenken muss.
wie sind sie bisher vorgegangen?
ich habe zuerst die bedürfnisse economy,
business, first class und super first class
verglichen - zunächst rein theoretisch. im
anschluss recherchierte ich, wie es sich
verwirklichen lässt. das konzept ist ja vor
allem für den großen airbus a 380, mit
dem bis zu 600 passagiere befördert werden
können und der 18 stunden nonstop
fliegen wird. speziell bei kindern kann das
im chaos enden. man muss versuchen,
sichere und interessante spielbereiche zu
gestalten, die man schnell umwandeln und
in altersgruppen unterteilen kann. auch
den business-bereich habe ich intensiv dargestellt.
er ist vor allem auf langstreckenflügen
der profitabelste bereich für airlines,
der zudem einen großen raum einnimmt.
wenn man im business-bereich fliegt, ist
es dort sehr still - zu still, um vertrauliche
gespräche führen zu können. wie löst man
das problem, dass jeder mithört? ich nahm
zwei sitzreihen und entwarf drehbare sitze,
so dass man sich wie in einer konferenz
gegenüber sitzen kann. dann verwendete
ich membran-stoffe, die sehr gute akustische
werte haben. so bekommen andere
reihen nichts von dem gespräch mit. die
idee war, kleine bewegliche konferenzräume
zu schaffen - auf langstreckenflügen
möchten ja die passagiere in der business
class hauptsächlich arbeiten. zudem soll
gerade dieser bereich interessanter gestaltet
werden, auch im hinblick auf arbeitsstationen,
die heutzutage noch sehr instabil
und bei turbulenzen recht unkomfortabel
sind. hier habe ich beispielsweise ein
abgerundetes design gewählt, so dass
nichts mehr herunterfallen kann.
wie haben sie die first class geändert?
die reisenden hier suchen eher erholung
und fitness. daher war meine idee, laufbänder
einzubauen und einen kleinen fitnessbereich
zu kreieren. eine andere idee
war, einen raum zur besseren sauerstoffversorgung
zu entwickeln, um die nebenwirkungen
eines langstreckenfluges wie
übelkeit und jet lag zu verhindern. diese
räume wären den sauerstoffbars, die es in
einigen großstädten gibt, sehr ähnlich.
denkbar ist auch eine doppellösung: laufband
und sauerstoffbar in einem raum,
kombiniert mit unterhaltsamen projektionen,
die z. b. die flugroute darstellen.
damit verwandeln sie das flugzeug in
ein fliegendes »bürohotel«...
ja. flugzeuge sollten je nach zielgruppe sowohl
als »fliegender konferenzsaal« als
auch als wellness-center entwickelt werden.
ich denke, dass passagiere gerade bei
langstreckenflügen bereit wären, einen
etwas höheren preis zu zahlen, wenn sie
dafür wirklich mehr bekommen. im wettbewerb
zeigt sich, dass die langstreckenflüge
für die airlines am profitabelsten sind.
billiganbieter können nie in dieser kategorie
mithalten. selbst für die economy class
sind gymnastikbereiche denkbar - gerade
in zeiten, in denen us-airlines erfolgreich
wegen der erhöhten thrombosegefahr auf
langen flügen verklagt werden.
wenn sie das projekt mit bauprojekten
vergleichen - wer ist kritischer: der
flugzeugbauer oder der bauherr?
bei der planung von flugzeugen kann ich
mich mehr auf die entwürfe konzentrieren,
da hier fachleute und -firmen für die umsetzung
zuständig sind. ich muss also die
entwürfe nicht bis ins detail genau zeichnen
- sie müssen jedoch umsetzbar sein. die
umsetzung meiner entwürfe verfolge ich
bis zum schluss. der spielraum ist im flugzeug
natürlich wesentlich kleiner als im
bürobereich oder bei anderen bauprojekten.
auch unterliegt das entwerfen im
flugzeugbereich stets dem kriterium der
wirtschaftlichkeit. im bürobereich gibt es
kleine bis große budgets. also ist die kreativität
noch mehr gefordert. kreativität
zeigt sich hier nicht nur in der form, son
dern auch im recherchieren von speziellen
materialien. eine lösung zu finden für neuartige
service-gedanken finde ich spannender
und innovativer als die reine ästhetische
gestaltung. hier sehe ich den fortschritt
eher, als beim besuch von möbelmessen
oder der lektüre von designzeitschriften -
das ist alles so kopiert, vieles ist austauschbar
- das kann ich gar nicht mehr sehen.
frau mahmoudieh, prägt ihre ausgeprägte
reiselust auch ihr design?
für mich ist es wichtig sagen zu können,
dass ich in der ganzen welt gestaltet habe.
gerade in meinem beruf ist es wichtig, viel
zu sehen. man achtet mehr auf details,
verhaltensmuster. als architekt, designer
nimmt man seine umwelt intensiver wahr.
die digitale technik ist hierbei eine große
hilfe: ich kann alles unterwegs notieren
und gleich verwerten und in die teams einbringen.
dabei ist es hilfreich, dass ich einige
sprachen spreche und so in mehreren
ländern autark arbeiten kann. ich möchte
immer international bleiben, auch wenn
ich den hauptsitz in berlin und den zweitsitz
in london habe - ich arbeite überall.
das gespräch führte oliver korn
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