wohlgefühl aus form und farbe
(db – mobil, 02/03)

spektakuläre lebens–räume sind die spezialität der innenarchitektin yasmine mahmoudieh. ihre lösungen sind so ästhetisch wie funktional und respektieren die bedürfnisse des menschen. jahre ist es her: die innenarchitektin yasmine mahmoudieh wollte ihren führerschein beim verkehrsamt abholen, hatte aber ihren stift vergessen. auf ihre freundliche frage nach einem schreibgerät reagierte die verwaltungsangestellte patzig. mahmoudieh schaute sich um: grün–grauer linoleumboden, kahle wände, kaltes flurlicht. „da dachte ich: würde ich hier arbeiten, wäre ich wohl auch so agressiv.“ ein einschneidendes erlebnis, vielleicht eines, das ihren drang nach gestaltung verstärkt hat. diese frau brennt im innern–yasmine mahmoudieh spricht schnell, präzise und leidenschaftlich. ihr beruf scheint ihre berufung zu sein. dass die international tätige designerin im november letzten jahres den angesehenen coredesign–award gewann, ist ihr nur einen nebensatz wert. die in hamburg geborene deutsch–iranerin versteht sich als wegbereiterin von gesamtheitlichen lösungen und neuen dimensionen–und der erfolg gibt ihr recht. ob es um die renovierung des hotels „vier jahreszeiten“ in hamburg, des „baltschug kempinski“ in moskau oder das von arne jacobsen in den 50er–jahren gestalteten „radisson sas royal hotel“ in kopenhagen geht–für yasmine mahmoudieh ist stets die intensive auseinandersetzung mit lebens–räumen erklärtes ziel.

sie arbeitet interdisziplinär, kulturübergreifend und–verbindend. „in moskau habe ich mich mit der geschichte des landes beschäftigt und die alten ornamente in mein design einfließen lassen“, erläutert die wahlberlinerin. beim „radisson sas royal hotel“ interpretierte sie die 50er–jahre neu, nahm die nierenform in der gestaltung von leuchtkörpern wieder auf und integrierte aus skandinavischem design vertraute materialien, wie ahornholz, farbiges glas und aluminium. ihre philosophie von ästhetik und funktionalität zeigt ein winziges detail in dem kopenhagener haus besonders deutlich: die in jedem zimmer vorhandenen hotelbroschüren, die für den gast notwendig, aber ungeliebt auf den schreibtischen herumliegen, ließ sie unter glas in einer schublade verschwinden–sichtbar, aber nicht störend. „man kann kreativ sein“, so die 41–jährige, „aber wenn man nicht begreift, dass design angewendet werden muss, hat man sein thema verfehlt.“

yasmine mahmoudiehs klarheit und konsequenz im erreichen ihrer ziele macht auch vor der eigenen tür nicht halt: „ich wollte nie eine mega–firma“, erzählt sie. „meine beiden unternehmen mahmoudiehdesign und mahmoudiehconcepts verbinden meine beiden ansätze gestaltung und konzeption–also nicht nur kosmetisch etwas zu verändern, sondern bereits im vorfeld beratend tätig zu sein. “dabei legt sie auf gestaltungsspielräume großen wert. „wenn man neue wege geht, braucht man freiheit, sonst kann man nicht gut sein.“ und ein angemessenes budget. reicht dieses für die gemeinsam angestrebte umsetzung nicht aus, lehnt yasmine mahmoudieh den auftrag ab–„wenn man nicht erreichen kann, was man will, muss man verzichten können.“
dass große erfolge und limitierte budgets kein widerspruch sein müssen, zeigte die innenarchitektin beim gästehaus rheinsberg in der nähe berlins, dem ersten designhotel für behinderte. auch hier folgte sie ihrem credo, mit design wärme zu schaffen und dem menschlichen bedürfnis nach intimität rechnung zu tragen.
so wurden die farben nicht nur aus ästhetischen gründen in mediterranen sonnenuntergangstönen gewählt, sie dienen sehbehinderten auch als orientierungshilfen. „mir war wichtig, dass niemand das gefühl hat, in einem hotel für körperbehinderte zu sein, darum habe ich werkstoffe wie metall und edelstahl vermieden, weil sie an krankenhäuser erinnern.“ und statt mit spitzen winkeln, die aggressiv wirken, wurde mit rundungen gearbeitet, um eine möglichst positive atmosphäre zu kreieren. jedes detail wurde aus der perspektive eines behinderten überprüft. so sind zum beispiel die kleiderstangen in den schränken niedriger als der standard, der pool hat eine schräge gleitebene statt der hohen stufe, die ansonsten charakteristisch für behinderten–schwimmbecken ist. „die positive resonanz der gäste gibt uns recht“, meint die designerin. „es geht nicht nur darum, etwas ästhetisch schönes zu schaffen, sondern auch das leben der menschen zu verbessern.“
an yasmine mahmoudiehs eigenem leben gibt es zurzeit nicht viel zu verbessern: mit ihrer zwölf monate alten tochter fariba [pers.: die verführerische] hat nun neben dem erfolg auch noch das glück bei ihr einzug gehalten.